Würde im Einkaufskorb

Das Josefslädchen: Hilfe ohne Almosen

05/2026

Das Josefslädchen in Bamberg ist für viele Menschen weit mehr als eine Ausgabestelle für Lebensmittel. Hier wird eingekauft wie in einem normalen Laden – mit Auswahl, mit eigenen Entscheidungen und vor allem mit Würde. Damit das möglich bleibt, unterstützt die Adalbert-Raps-Stiftung die Anschaffung eines neuen Kühlfahrzeugs. www.raps-stiftung.de

„Wenn ich meinen Rucksack voll habe und dafür 15 oder 16 Euro zahle, dann ist das für mich Gold wert“, sagt Toni. Der 73-Jährige kommt regelmäßig ins Josefslädchen. 49 Jahre lang hat er gearbeitet – erst als Spengler, später nach einer Umschulung als Dachdecker. Heute muss er mit einer kleinen Rente auskommen. „Innerhalb von zwei Jahren wurde mir zweimal die Miete erhöht“, erzählt er. Als er in seine Wohnung eingezogen sei, habe er noch 510 D-Mark bezahlt, heute liege die Miete bei 730 Euro plus Nebenkosten. „Es ist knapp, aber es geht“, sagt er und lacht, denn Toni ist einfach eine Frohnatur. Alle 14 Tage kauft er im Josefslädchen ein, „und wenn ich noch genug zuhause habe, gehe ich später.“

Auch Nadi ist Kundin im Josefslädchen. Die 76-Jährige arbeitete vor ihrer Rente als Putzfrau. „Wir freuen uns, dass es das Lädchen gibt“, sagt sie. Besonders wichtig sei ihr, dass sie selbst auswählen könne, was sie braucht: Milch, Butter, Gemüse, Mehl oder Zucker. „Hier nehme ich das, was ich brauche.“ Und genau das mache den Unterschied aus: keine fertig gepackten Kisten, keine vorgegebenen Lebensmittel – sondern ein Einkauf wie in jedem anderen Laden auch.

 „Wir wollen nichts geschenkt haben“

„Das entspricht auch dem Grundgedanken des Josefslädchens“, erklärt Volker Göbel, Vorstand des Regionalcaritasverbands Bamberg-Forchheim e. V. „Wir wollen, dass nicht das Gefühl entsteht, es seien Almosen. Bei uns einzukaufen ist kein Almosen – nur stark subventioniert.“ Das habe etwas mit Würde zu tun. Dazu können Toni und Nadi nur zustimmend nicken: „Wir wollen ja schließlich nichts geschenkt haben!“, sagen sie unisono.

Über 400 Kundinnen und Kunden nutzen das Angebot des Josefslädchens. Geöffnet ist der Laden montags bis freitags jeweils zwischen 13 und 15 Uhr, eingekauft werden kann alle zwei Wochen. Etwa 30 Menschen kommen täglich zum Einkauf. Damit das reibungslos funktioniert, braucht es viel Organisation – und vor allem ehrenamtliches Engagement. Rund 35 Ehrenamtliche halten den Betrieb am Laufen. Sie sortieren Lebensmittel, prüfen Waren, organisieren Termine oder fahren die Kühlfahrzeuge.

Auch organisatorisch ist viel Abstimmung nötig. Kundinnen und Kunden melden sich telefonisch am Montag an und erhalten feste Einkaufszeiten, die regelmäßig wechseln. So soll gewährleistet werden, dass alle einmal die Chance auf ein breiteres Angebot haben. Bei der Präsentation der Produkte werde sogar auf die Bedürfnisse der Kundschaft geachtet, erzählt Volker Göbel. „Wir bieten Individualität und gehen auf Kulturen ein.“ So würden beispielsweise Wurstwaren getrennt nach Schwein und Geflügel angeboten, außerdem gebe es eine vegane „Abteilung“.

 

Große Logistik hinter den Kulissen

Wie aufwendig die Arbeit hinter den Kulissen ist, erlebt Ehrenamtliche Ingeborg Lauch seit mehr als zehn Jahren. „Wir wissen nie, welche Ware kommt und wieviel“, sagt sie. Besonders bei Grundnahrungsmitteln gebe es immer wieder Engpässe. „Manchmal gibt es wochenlang keine Butter oder wie heute nur fünf Liter Milch – das ist wenig, wenn pro Tag 30 Leute kommen.“

Die Ehrenamtlichen sortieren und putzen Obst und Gemüse, reinigen und prüfen die Waren. Nicht mehr verwendbare Lebensmittel gehen beispielsweise an einen Pferdehof. „Wir wollen keine qualitativ minderwertige Ware abgeben“, sagt Volker Göbel.

Die meisten Ehrenamtlichen engagierten sich einmal pro Woche. „Man kann einen ganzen oder halben Tag helfen“, erzählt Ingeborg Lauch. Es sei manchmal anstrengend, aber auch ein sehr angenehmes Arbeiten mit der Kundschaft. „Ich gehe nach meinen Einsätzen immer zufrieden nach Hause, denn es ist eine sinnvolle Arbeit.“

Einer dieser Ehrenamtlichen ist Ben, der überrascht ist, wie viele Lebensmittel täglich entsorgt werden. Der 17-Jährige absolviert derzeit ein vierwöchiges Schülerpraktikum im Josefslädchen und hilft unter anderem beim Fahrdienst mit. „Ich bin schon in der kurzen Zeit bewusster geworden“, sagt er. „Mein Verhältnis zu Essen hat sich verändert.“ Für das Team des Josefslädchens ist genau das ein wichtiges Zeichen: Die Arbeit hilft nicht nur Menschen konkret, sondern sie verändert auch den Blick auf Lebensmittel, Armut und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

 

Ohne Kühlfahrzeuge geht es nicht

Damit Lebensmittel sicher transportiert werden können, ist das Josefslädchen auf funktionierende Kühlfahrzeuge angewiesen. Zwei Fahrzeuge sind derzeit im Einsatz, die meisten Fahrer arbeiten ehrenamtlich. „Die Kühleinheiten machen die Fahrzeuge teuer, sind jedoch notwendig, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird“, erklärt Göbel.

Das kleinere der beiden Fahrzeuge musste nun ersetzt werden und eine Neuanschaffung konnte dank einer Spende der Adalbert-Raps-Stiftung ermöglicht werden. „Ohne diese Unterstützung wäre das sehr schwierig geworden“, sagt Göbel. Doch die Herausforderungen bleiben groß. Auch das größere Fahrzeug müsse in den kommenden ein bis zwei Jahren ersetzt werden, die Kosten dafür lägen aktuell bei 60.000 bis 70.000 Euro – und finanziert werde das Josefslädchen ausschließlich über Mittel des Ordinariats und Spenden.

Um auch künftig verlässlich helfen zu können, ist die Einrichtung daher weiterhinauf Unterstützung angewiesen – sei es durch ehrenamtliche Mitarbeit, haltbare Lebensmittelspenden oder finanzielle Hilfe. Besonders Produkte wie Nudeln, Reis, Mehl oder Zucker fehlen häufig, weil sie im Handel seltener übrigbleiben. Gleichzeitig braucht es Menschen, die beim Sortieren der Waren, bei der Organisation oder als Fahrer der Kühlfahrzeuge mithelfen. Darüber hinaus helfen finanzielle Spenden, die Logistik am Laufen zu halten, im Notfall Lebensmittel zukaufen zu können oder eben um einen neuen Kühltransporter zu finanzieren.

Spenden für das Josefslädchen sind möglich über den Regionalcaritasverband Bamberg-Forchheim e. V. Wichtig ist es, den Verwendungszweck anzugeben.

Kontoinhaber: RegionalcaritasverbandBamberg-Forchheim e.V.

Bankverbindung der Einrichtung Josefslädchen:

IBAN: DE79 7509 0300 0209 0045 05

BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Josefslädchen

 

Mehr zum Josefslädchen unter: https://caritas-bamberg-forchheim.de/ich-suche-hilfe/weitere-soziale-hilfe/lebensmittel/index.html

Ingebort Lauch engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Josefslädchen – Foto Adalbert-Raps-Stiftung

Volker Göbel und Ingeborg Lauch würden den Kunden gerne mehr als 5 Liter Milch anbieten – auch an Butter und Joghurt fehlt es im Kühlregal – Foto Adalbert-Raps-Stiftung

Inge Kraus hilft seit vier Jahren ehrenamtlich im Josefslädchen, ihr gefällt die abwechslungsreiche Tätigkeit – Foto Adalbert-Raps-Stiftung

Schülerpraktikant Ben sagt: „Mein Verhältnis zu Essen hat sich verändert.“ – Foto Adalbert-Raps-Stiftung