Fokusveranstaltung am 14.10.2017 zur Diversität und zur Teilhabe geflüchteter Menschen

Drängende Zukunftsthemen ansprechen, die Interaktion der Akteure in Oberfranken verstärken und Diskussionen sowie der Vernetzung Raum geben: Das ist das Anliegen des Programms „Engagiert in Oberfranken“. Mit der Fokusveranstaltung unter dem Titel „Teilhabe statt Teilnehmen: Diversität als Ressource für eine gelungene Integration“ kommt die Kulmbacher Adalbert-Raps-Stiftung am 14. Oktober erstmals nach Bayreuth. Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten Bürgerinnen und Bürger sowie an haupt- und ehrenamtlich engagierte Menschen.

 

Die Veranstaltungsreihe „Engagiert in Oberfranken“ läuft nun bereits im dritten Jahr und zahlreiche engagierte Menschen aus Oberfranken konnten in Vorträgen Workshops und Diskussionen wertvolle Impulse gewinnen und ihre Netzwerke ausweiten. Basis des Programms ist eine Studie unter dem Titel „SozialRaum Oberfranken“, die in Zusammenarbeit mit der Universität im vergangenen Jahr erstellt wurde: Hier konnten die dringlichsten gesellschaftlich relevanten Handlungsfelder in unserer Region benannt und wissenschaftlich aufbereitet werden. Diese Ergebnisse dienen nun als Grundlage für die Diskussion unter den Teilnehmern.

Warum nun der Schritt nach Bayreuth? Stiftungsvorstand Frank Kühne erklärt diesen so: „In Bayreuth haben wir seit geraumer Zeit starke Partner, mit denen wir gemeinsam an der guten Sache arbeiten, unsere Region gesellschaftlich weiter voranzubringen. Zuvorderst mit der Stadtverwaltung und der Oberbürgermeisterin konnten schon einige Projekte erfolgreich umgesetzt werden. Seit vielen Jahren unterstützen wir auch Vereine und Initiativen, die sich in Bayreuth sozial engagieren. Nicht zuletzt der große Erfolg von Bayreuther Leuchtturmprojekten bei unserem Wettbewerb „Helden der Heimat“ im Mai belegt, dass sowohl reichlich Potenzial als auch Menschen und Ideen in Bayreuth und Umgebung vorhanden sind, die es lohnt, weiter auszubauen und zu beflügeln. Insofern ist es nur konsequent, unser Wissens- und Diskussionsforum „Engagiert in Oberfranken“ auch in Bayreuth anzubieten.“

 

Im Vorfeld zur Veranstaltungsreihe "Engagiert in Oberfranken" wurde in der Studie "Sozialraum Oberfranken" analysiert, welche Themen speziell in unserer Region vordringlich bearbeitet werden sollten. Zu diesen gehören unter anderem die Bereiche Teilhabe und Partizipation sowie Diversität, denen wir uns bei der kommenden Fokusveranstaltung mit Blick auf die Situation geflüchteter Menschen widmen möchten.


Programm.

14:00 UhrEinlass
14:30 UhrBegrüßung & inhaltlicher Auftakt
14:45 UhrStudie "SozialRaum Oberfranken" – Fokus: Teilhabe & Diversität
15:00 UhrErfolgsbeispiel – JobKraftwerk
15:30 UhrImpuls zum Thema Teilhabe – Über den Tellerand
16:00 Uhr– Kaffeepause –
16:15 UhrPanel-Diskussion –
Teilhabe statt Teilnehmen: Diversität als Ressource für gelungene Integration.
17:00 UhrFragerunde
17:30 UhrAbschluss
17:45 uhr– Austausch & Get together –

Impulse.

 

 

Rabea Haß – Über den Tellerrand

Impuls: Eine Prise Heimat – Für ein besseres Wir in Oberfranken

Rabea Haß ist promovierte Soziologin und Friedensforscherin. Sie kennt sich mit der Wirkungsmessung und Evaluation von gemeinnützigen Projekten aus. Sie ist Mit-Gründerin von "Kitchen on the Run" und bei "Über den Tellerrand" für die Strategie und Organisationsentwicklung zuständig.

Zu "Über den Tellerrand":

Seit 2013 nutzt Über den Tellerrand das Kochen als Türöffner zwischen Kulturen und bringt Neuankömmlinge und Beheimatete am Küchentisch zusammen. Der innovative Ansatz der „Integration auf Augenhöhe“ manifestiert sich von Berlin ausgehend mittlerweile deutschlandweit mit seinem vielseitigen Angebot aus Kochkursen und Kochbüchern, Mentoring- und Begegnungsprogrammen. In mehr als 30 deutschen Städten wird bereits über den Tellerrand gekocht.

www.ueberdentellerrand.org

 

 

Oliver Queck – JobKraftwerk

Impuls: So klappt es mit der Integration – ein Erfolgsbeispiel 

Für Geflüchtete sind die Barrieren für den Einstieg in die Arbeitswelt oft hoch. Jobkraftwerk aus Berlin will das ändern – gemeinsam mit den Behörden. Das Problem? Durch den demographischen Wandel herrscht in Deutschland Fachkräftemangel. Gleichzeitig gibt es hunderttausende Geflüchtete im erwerbsfähigen Alter, doch die Barrieren für den Einstieg in die Arbeitswelt sind zu hoch. Nicht nur für die Geflüchteten selbst, sondern auch für die Gemeinden und Unternehmen, die bereit wären, Geflüchtete einzustellen. Der Referent Oliver Queck kommt aus der Region Oberfranken und hat seine Schwerpunkte in Digitalen Plattformen und Social Entrepreneurship.

www.jobkraftwerk.com

 

 


Diskussionsrunde.

 

 

Prof. Dr. Harry Harun Behr

Professor Behr ist Experte für den Islam und seine pädagogische Vermittlung. Er forscht und lehrt hierzu in Frankfurt, nimmt dazu auch immer wieder öffentlich Stellung. Als Erziehungswissenschaftler bringt er wertvolle Einblicke mit, wie die Religionslehre auch zur Motivation für mehr Teilhabe von Geflüchteten genutzt werden kann.

Als Mitglied im Rat für Migration setzt er zudem immer wieder Impulse mit besonderem Blick auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung unter den Bedingungen von Diversität und Pluralität. Seit 15 Jahren lebt Behr mit seiner Familie in Bayreuth, wo er 2005 auch seine Promotion an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität ablegte.

Die Frage, mit der Professor Behr sich bei der Podiumsdiskussion beschäftigen möchte ist, wie wir Diversität und Integration gleichzeitig als gesamtgesellschaftliche Ressource wie auch Aufgabe verstehen, nutzen und weiterentwickeln können.

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Ibukun Koussemou

Er ist 32 Jahre alt und stammt aus Benin: Ibukun Koussemou ist der neue Asylkoordinator der Stadt Bayreuth. Damit haben Bayreuther, die Flüchtlingen helfen wollen, endlich einen offiziellen Ansprechpartner. 2007 wanderte Koussemou nach Deutschland aus, seit 2011 lebt er in Bayreuth, hat hier studiert. Er ist Vorsitzender des Vereins "Ifede - Hilfe zur Selbsthilfe für die Republik Benin". Bevor er zum Sozialamt kam, engagierte sich der studierte Ethnologe ehrenamtlich bei der Flüchtlingsarbeit der Caritas.

„Die Migration ist das brennende Thema unserer Zeit, das alle Akteure der Gesellschaft vielseitig beschäftig. Auf die Frage, ob eine für die Migration verschlossene Gesellschaft in unserem aktuellen Zeitalter des zunehmenden Globalismus überlebensfähig ist, darüber kann man streiten. Aber wenn wir uns die Fakten und Zahlen der Migrationsgeschichte des aktuellen Jahrzehnts anschauen, kann zweifellos behauptet werden, dass die Migration zum Wirtschaftswachstum Deutschland beiträgt.

Menschen auf der Flucht suchen nur eine sichere Zuflucht, wo sie auf ein besseres Leben hoffen können. Die Deutsche Gesellschaft zeigte sich hierzu bisher sehr offen und tolerant. Die Ängste jedoch bestehen immer noch und diese Ängste müssen gemindert werden. Als Ehrenamtlicher hilft man nicht nur den zugewandten und geflüchteten Personen, man erfährt auch etwas über andere Kulturen und Sozialisierungssysteme, die bisher für uns nicht vorstellbar waren. Es ist ein „Geben und Nehmen“.

 

 

Prof. Dr. Frank. Eckardt – Projekt Willkommensstädte

Frank Eckardt ist promovierter Politikwissenschaftler und Professor für sozialwissenschaftliche Stadtforschung an der Bauhaus-Universität Weimar. Mit dem Thema Flüchtlinge beschäftigt er sich seit 30 Jahren. In den 1990iger Jahren hat er fünf Jahre für das Niederländische Flüchtlingswerk gearbeitet und danach zu Fragen der Integration in Städten geforscht. Seit 2014 leitet er das Projekt "Willkommensstädte" in Thüringen.

Zum Projekt "Willkommensstädte":

Ausgangspunkt des Projekts "Willkommensstädte" ist die Annahme, dass Städte und Landkreise sich auf eine langfristige und umfassende Veränderung vieler Formen des bisherigen Zusammenlebens einstellen müssen. Unter Leitung von Prof. Dr. Frank Eckardt wurde an kleinen und großen Städten in Thüringen erforscht, wie eine Willkommenskultur geschaffen werden kann.

Prof. Eckardt vertritt dabei das Bild des "Kompetenten Flüchtlings". Man dürfe den Wunsch nach Partizipation nicht überhöhen, Geflüchtete bringen schon wichtige Kompetenzen aus Ihren Heimatländern mit. Sie seien effektive Ressourcenverwerter mit großer Zielstrebigkeit. Man sollte ihnen zugestehen auch unter sich bleiben zu dürfen, so wie es die Deutschen auch oftmals vorziehen. Seine Forderung, die mit Absicht paradox klingt: „Die Geflüchtetenarbeit muss effektiver geschehen, sie braucht aber vor allem auch eins, Zeit“.

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Lisa Scherm – Integration durch Sport für Oberfranken

Die im Deutschen Olympischen Sportbund angesiedelte Projektgruppe macht sich zum Auftrag, sozialbenachteiligte Menschen und Geflüchtete durch den Sport am Alltag in Bayern teilhaben zu lassen. Sie sammeln des Weiteren Best Practice-Projekte und fördern zur Zeit 17 aktuelle Projekte in ganz Bayern. Zudem wird mit den Weiterbildungen „Minitrainer“ für junge und „Sportassistentin interkulturell“ für weibliche Migranten die Kompetenzen in Richtung Übungsleitung erweitert. Lisa Scherm ist dabei seit Ende letzten Jahres für den Bereich Oberfranken zuständig.

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Wolf Schneider – connectionhaus

Auf rund 1.300 m² lebt der Hausverwalter Wolf Schneider mit 12 Geflüchteten jeden Alters, einer Asylsozialbetreuerin und drei weiteren Deutschen zusammen. Er schreibt, dass er ein ganzes Buch füllen könne, mit einer detaillierten Kritik an den Umständen der Flüchtlingshilfe in Deutschland. Im gemeinschaftlichen Wohnen sucht er direkte Wege der Teilhabe für Geflüchtete, inklusive Hoffnung, Glaube, Toleranz und Konflikten.

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