Die zweite Fokusveranstaltung zur Stärkung junger Menschen im Zuge des Wettbewerbes „Helden der Heimat“ erfolgreich durchgeführt

Die Veranstaltungsreihe Engagiert in Oberfranken geht weiter

Seit nahezu 30 Jahren unterstützen wir in der Adalbert-Raps-Stiftung Projekte und Initiativen engagierter Menschen aus ganz Oberfranken. Das Wissensforum "Engagiert in Oberfranken" startete bereits 2015, um Projekte, Vereine, ehrenamtliches Engagement und Initiativen zu unterstützen und zu stärken. Durch den Wettbewerb "Helden der Heimat" wird die Veranstaltungsreihe ergänzt. Die Studie SozialRaum Oberfranken hat die Situation von geflüchteten, älteren und jüngeren Menschen als verbesserungswürdig identifiziert. Der Wettbewerb soll den Sozialraum Oberfranken stärken, indem die wichtigen Handlungsfelder der drei Bevölkerungsgruppen angegangen werden. Um das soziale Engagement für diese drei Gruppen weiter zu professionalisieren, führen wir je eine Fokusveranstaltung durch.

Am Samstag, 11. Februar 2017 fand in der Adalbert-Raps-Bibliothek am Mönchshof in Kulmbach die zweite Fokusveranstaltung "Stärkung des sozialen Umfeldes junger Menschen" im Zuge des Wettbewerbes „Helden der Heimat“ statt. Rund 50 Vertreter aus Schulen sowie gemeinnützigen Initiativen, viele Ehrenamtliche, die Wohlfahrt und Interessierte folgten der Einladung der Adalbert-Raps-Stiftung, um sich über die Herausforderungen, über erfolgreiche Projekte oder Ideen auszutauschen. Der praxisnahe Informationstag war in verschiedene Vortrags- und Workshop-Formate unterteilt, die im Folgenden kurz beschrieben werden. Wir danken allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen für das rege Interesse und die intensiven Diskussionen sowie den Referenten, die den Tag mit ihrem Know-how bereichert haben.

Für Feedback und Fragen sowie um zukünftig über ähnliche Veranstaltungen informiert zu werden, schreiben Sie uns bitte eine E-Mail.

Alle weiteren Informationen zu unserem Wettbewerb „Helden der Heimat“ finden Sie hier.

Themen und Inhalte

Den Tag eröffnete Carsten Lessmann, Hilfswerft gGmbH und erinnerte er an den verstorbenen und ehemaligen Geschäftsführer der RAPS GmbH & Co. KG und Vorstand der Adalbert-Raps-Stiftung Horst Kühne. Als Ehrenbürger der Stadt Kulmbach und „Sozialakteur“ der Region, hatte Horst Kühne die Jugend immer im Blick: „Ohne Horst Kühne gäbe es die Veranstaltung heute nicht“, so Carsten Lessmann. 

 

 

 


Eröffnungsrede – Jonas Pawelski

Die Eröffnungsrede hielt Jonas Pawelski, der mit seinen 19 Jahren die Frage in den Raum stellte, was wichtig für eine lebenswerte Region ist. In seinem Heimatort Sömmerda (Thüringen) engagiert er sich im Kinder- und Jugendparlament für die Belange junger Menschen, hier trainiert er im Tanzsportverein vier Tanzgruppen und arbeitete im Vorstand mit. Hier hat Pawelski in seiner Schulzeit das Projekt "Schule ohne Rassismus" ins Leben gerufen, das er gerade auch an seiner Fachschule neu aufbaut. Weiterhin ist er im Vorstand des Kreissportbundes tätig und Vorsitzender des Vereins "Kultur im Sinn" e.V.

Jedes dieser Ehrenämter verankert ihn in unterschiedlicher Art und Weise in seiner Heimatregion. Passend dazu führte Pawelski ein Zitat von Moritz Leuenberger an: "Heimat entsteht nicht durch Abgrenzung, sondern durch Verbundenheit, durch Anteilnahme und durch Mitwirkung".

Jonas Pawelski kann von sich sagen, dass er eingebunden ist – Verantwortung übernimmt, sich als wertvoller Teil der Gemeinschaft fühlt, mitentscheidet und mitgestaltet. All das gibt ihm das gute Gefühl, gebraucht zu werden und etwas voranzubringen. Und natürlich bindet ihn dieses Engagement an seine Heimat.

Die Frage, die er sich dabei oft stellt ist, wie ein so junger Mensch auch in Zukunft all diese Ehrenämter wahrnehmen kann. Wie lässt sich das vereinbaren mit seiner Ausbildung und Weiterbildung, oder zukünftig auch mit einer Familie? Es müssen auf verschiedenen Ebenen bessere Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement geschaffen werden. Zunächst einmal muss das Bewusstsein, dass ein reges Vereinsleben für eine Gemeinde – gerade auf dem Land – enorm wichtig ist, weiter wachsen. Wer sich dazugehörig fühlt, dem fällt es schwerer, weg zu gehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei seiner Rede war der Stellenwert des Ehrenamtes. Es wird zwar immer viel darüber geredet, wie wichtig Ehrenamt ist, aber wenn es um wirkliche, greifbare Unterstützung für den Einzelnen geht, sieht es eher schlecht aus. Da könnten Politik und Wirtschaft mehr tun. Wie wäre es zum Beispiel mit einer angemessenen Arbeitszeit für Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren? Oder mit Vergünstigungen in öffentlichen Einrichtungen? Oder kostenfreien Weiterbildungsangeboten? Oder noch weiter gedacht, einem Schulfach, das soziales Engagement in den Mittelpunkt stellt?

Das Ehrenamt braucht jeden Einzelnen. Aber nur, wer Kraft- und Zeitreserven hat, kann sich für Andere engagieren. Jonas Pawelski bedenkt bei seinen Ausführungen sogar, dass auch angemessen bezahlte Jobs, attraktive Ausbildungsmöglichkeiten, ausreichend bezahlbarer Wohnraum oder ein gut getakteter öffentlicher Nahverkehr Faktoren sind, die das Ehrenamt befördern und letztendlich eine Region lebenswert machen.

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Erfolgsprojekt: Zukunftswerkstatt

Jürgen Ziegler, Dipl.-Sozialpädagoge (FH), Kreisjugendpfleger, Leiter des Projektes „Zukunftswerkstatt“ beim Kreisjugendring Kulmbach

Der Kreisjugendring hat das Projekt "Zukunftswerkstatt" ins Leben gerufen. Deren Leiter Jürgen Ziegler berichtete von seinem Erfolgsprojekt. Mit dem Projekt wird den Gemeinden des Landkreises Kulmbach die Möglichkeit geboten, junge Menschen in die kommunalpolitische Willensbildung ihrer Gemeinde einzubinden. Zusammen mit den jeweiligen Gemeinden und Jugendsprechern werden Wünsche und Vorschläge, aber auch Sorgen und Nöte der Jugendlichen in Gruppen-Workshops gesammelt. Dabei gibt es verschiedene Schwerpunkte: "Reiß ab, bau auf – Plane Deine Heimat neu", "Lust oder Frust – So stell ich mir mein Leben vor", "Wenn ich König wär'…" und "In-Out – Gestalte Deine Freizeit", in denen Ideen gesammelt werden. So werden die jungen Leute in die gemeindliche Jugendarbeit mit einbezogen und äußern ihre Meinung zu Themen rund um ihre Heimat. Danach werden diese Ideen und Punkte evaluiert und dem Gemeinderat vorgestellt. Somit können Veränderungen zielgerichtet vorgenommen werden und der Dialog mit der Jugend beginnt.

Um eine Zukunftswerkstatt auszurichten, müssen die Gemeinden selbst aktiv werden und ihr Interesse an der Einbindung der Jugend bekunden. Das Ziel ist, dass die entwickelten Ideen – zumindest teilweise – umgesetzt werden. Dabei kommen ganz einfache und leicht umsetzbare Wünsche ans Licht. So zum Beispiel mehr Mülleimer für Hundekot aufszustellen und mehr Bushaltestellen einzurichten, einen Kletterpark in der Nähe oder den Leerstand durch Renovierung von Häusern zu mindern. Festzustellen ist dabei, dass sich die Jugendlichen in ihrem Heimatort wohlfühlen wollen. Sie wünschen sich Sauberkeit und Ordnung und möchten in ihrer Freizeit Spaß haben. Diese Veränderungswünsche können von den Gemeinden ganz einfach vorgenommen und umgesetzt werden. Dabei ist es wünschenswert, die Jugendlichen direkt mit einzubinden in die Umsetzung, wenn Verantwortlichkeiten auch an die junge Generation weitergegeben werden. So fühlen sie sich mit zugehörig. Denn durch die Möglichkeit, sich in der Kommunalpolitik mit einzubringen, bindet man sie an die Heimat.

Zur Website der Zukunftswerkstatt 


Interviewrunde: Einbindung durch den Sport

Kira Morandin, innovative Sozialarbeit (kurz iSo), Fundraising & Communications Coordinator für BasKIDball

BasKIDball ist ein Angebot für Kinder und Jugendliche, das Nützliches mit Spaß verknüpft. Gemeinsam Basketball spielen, sich treffen und zusammen etwas lernen sowie erleben sind die Kerninhalte des Projektes. BasKIDball ist ein Sportangebot mit sozialem Charakter. An verschiedenen Standorten finden zusätzlich Bildungsangebote, wie Hausaufgabenbetreuungen, Lerngruppen oder medienpädagogische Angebote statt. Mehrmals jährlich organisieren die BasKIDball-Betreuer überregionale Austauschtreffen, Feriencamps und Sportturniere. Der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Standorten sind zentrale Elemente des Projekts.

Robert Bartsch, Projektleiter bei goolkids

goolkids hilft allen Kindern beim freien Zugang zum Sport. Dabei werden Aktivitäten gefördert, bei denen Kinder sportlich und spielerisch lernen, dass sie durch Fairness zu Gewinnern werden. goolkids gibt Kindern eine Chance, ihre eigene Freizeit aktiv mitzugestalten. Sie übernehmen Schritt für Schritt Verantwortung und lernen, Toleranz zu üben. Das macht goolkids vor allem durch verschiedene Sportangebote für Kinder, zum Beispiel der Miteinandercup oder Benefizspiele.

 

Mit der Initiative BasKIDball bietet iSo ein Sportangebot in Sporthallen an 19 Standorten in der Republik an. Das Miteinander ist dabei sehr wichtig, denn jedes Kind kann mitmachen, mitgestalten und sich einbringen. Für die Durchführung von BasKIDball sind Kooperationen und ein großes Netzwerk von unterschiedlichsten Akteuren für jeden einzelnen Standort essentiell. Als Motivatoren sind die Jugendtrainer wichtige Ansprechpartner und Energietreiber für die Kinder und Jugendlichen.

goolkids ist erst zwei Jahre jung und bietet verschiedene Sportprojekte an, denn vielen Kindern und Jugendlichen fällt der Zugang zum Sport nicht leicht. goolkids liefert integrative Sportangebote, um Menschen am Rand der Gesellschaft wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken. Bei dem Miteinandercup gibt es zum Beispiel nicht eine Gewinnermannschaft, es wird ein Fairnesspreis vergeben. Dabei wählt jedes teilnehmende Team ein anderes Team als Sieger.

Beide Initiativen haben Botschafter als Mentoren und Idolfiguren. Es genügt nicht, die Kinder durch Flyer zur Teilnahme zu gewinnen, sondern durch Leitfiguren und aktives Einbringen. Ehrenamtlicher Botschafter bei goolkids ist Fußballprofi Stefan Kießling von Bayer 04 Leverkusen und Schirmherr von BasKIDball ist der deutsche Basketballspieler Dirk Nowitski, der in der nordamerikanischen Profiliga NBA für die Dallas Mavericks aktiv ist.

Es wurde deutlich, dass sich Kommunen und Jugendarbeiter stark machen müssen, um ein Sportangebot für Kinder anzubieten. Die Arbeit beider Vereine besteht nicht aus der Arbeit für junge Menschen, sondern aus der Arbeit mit jungen Menschen. Sport ist dabei ein Medium für einen einfachen Zugang zu Kindern und Jugendlichen.

 


Perspektivwechsel: Innovative Bildung für eine nachhaltige Entwicklung

Kerstin Wilmans gestaltet seit mehr als 20 Jahren Transformationsprogramme mit dem Fokus Kooperations- und Kompetenzentwicklung. Sie ist Mitveranstalterin der "Global Goals Curriculum 2016 - Konferenz für die Zukunft des Lernens" , die Anfang Mai 2016 in Berlin stattfand. Als Vorstand des Global Goals Curriculum e.V., den sie zusammen mit der Bildungsinnovatorin Margret Rasfeld gegründet hat, gestaltet sie das Programm zur Etablierung einer neuen Lern- und Arbeitskultur in Schulen, Organisationen und Zivilgesellschaft zur Umsetzung einer innovativen Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Wie kann die Schule von morgen aussehen? Wer sind die Changemaker von morgen? Wie können Probleme innovativ gelöst werden? Das sind Fragen, mit denen Kerstin Willmans die Gäste in ihrem Vortrag abholte. Neue Schulmodelle setzen sich für Bildung einer nachhaltigen Entwicklung ein und verstehen dies als lebenslangen Lernprozess. So macht es zum Beispiel die evangelische Schule Berlin Mitte. Für die Umsetzung gibt es fünf Handlungsfelder:

 

  1. Politische Unterstützung
  2. Ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen
  3. Kompetenzaufbau bei Lehrenden und Multiplikatoren
  4. Stärkung und Mobilisierung der Jugend
  5. Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene

 

Das Ziel dabei ist es, Gestaltungskompetenz an Jugendliche zu vermitteln, denn diese sind die Changemaker von morgen, für eine demokratische und friedliche, inklusive und tolerante, gerechte und nachhaltige Gesellschaft.

Die UN hat die Herausforderungen und Probleme unserer Welt in den Sustainable Development Goals festgehalten. Diese Probleme können nur durch innovative Lösungen angegangen werden. Dafür müssen die Rahmenbedingungen schon in der Schule geschaffen werden, damit die Zukunftsgestalter von morgen gut ausgebildet werden. Eine neue Lernumgebung wird geschaffen durch Vermittlung von

 

  1. Gestaltungskompetenz: Schaffung von mehr Freiräumen (z.B. keinen klassischen 45min-Unterrichtstakt mehr, sondern ergebnisoffenes Arbeiten)
  2. Sach- und Methodenkompetenz: Erlernen von Verarbeitung von Informationen (z.B. durch Design Thinking Seminare)
  3. soziale Kompetenz: Erlernen von achtsamer Kommunikation (z.B. SchülerInnen lehren Senioren den Umgang mit digitalen Medien)
  4. personale Kompetenz: Selbstvertrauen stärken, Bedürfnisse kennenlernen und auch lernen mit Frustration umzugehen (z.B. Projekt Herausforderung: Mit 150,00€ in drei Wochen durch Korsika reisen)

 

Schon im Schulalter muss Mut gelernt werden, um eine nachhaltige Gesellschaft zu gestalten. Jeder lernt sein Leben lang, aber dabei müssen auch Routinen verlassen werden. Willmans stellt heraus, dass nur durch die Zusammenarbeit von den einzelnen Akteuren Projektschulen entstehen können. Dabei bedarf es zum Beispiel der Interaktion von Hochschulen, Kitas, Kommunen, Kulturbetrieben und Schulen. Um eine Projektschule zu werden, muss die Schulleitung und das Kollegium den Willen dazu haben.

Das Ziel für das Global Goals Curriculum ist die Entwicklung eines Werkzeugkastens für Schulen, damit eine Art Lernbegleiter vorhanden ist und die Schulen eine neue Lernkultur einfacher etablieren können.

 

Zur Website des Global Goals Curriculum 


Markt der Möglichkeiten

In der Mittagszeit fand der Markt der Möglichkeiten statt, bei dem sich die Gäste gezielt mit Fragen an die Experten aus Wissenschaft und Politik, Sport und Freizeit sowie Schule und Kindergarten wenden konnten.


Keynote: „Verbesserung individuellen Entscheidungsverhaltens: Wie bekomme ich was ich will“

Dr. Johannes Siebert: Akademischer Oberrat der Universität Bayreuth (Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät) und U.S.-amerikanischer Wissenschaftler der University of Southern California (USC).

"Bevor man Entscheidungen treffen kann, muss man erst einmal wissen, was man will. Die meisten Leute wissen gar nicht, was sie wollen“ begann der Entscheidungstheoretiker Dr. Johannes Siebert von der Uni Bayreuth seinen Vortrag. Um bewusst Entscheidungen treffen zu können, muss zunächst identifiziert werden, was die Ziele sind. Viele Menschen treffen ihre Entscheidungen auf Basis der Hälfte der identifizierten Ziele, ohne sich die Frage zu stellen, was getan werden kann, um bestimme Ziele zu erreichen. Bei dem Festlegen einer bestimmten Entscheidung, kennen lediglich ein Drittel ihre Ziele und Alternativen. Eine Wünsch-dir-was-Liste hilft, eigene Prioritäten zu erkennen. Dabei stellen sich Alternativen heraus, die dann die Basis für Entscheidungen sind. Besonders wichtig ist dieses Vorgehen für Schülerinnen und Schüler, weil das Erlernen der Zielerkennung und der Identifikation von Alternativen wichtig für viele Lebensentscheidungen sind. Bei der Arbeit mit jungen Menschen ist es sehr wichtig, welche Ziele verfolgt werden, denn dann können auch Alternativen aufgezeigt werden. So können auch junge Menschen trotz Unerfahrenheit gute Entscheidungen treffen.

Johannes Siebert führte ebenfalls an, dass ein proaktiver Entscheidungsprozess hilft, um Probleme zu vermeiden und langfristig ein schöneres Leben zu haben (Value-focused-thinking). Die Generierung von Alternativen ist demnach enorm wichtig, um schnell heraus zu finden, was man will.

Literaturempfehlung:

- Ralph L. Keeney: Value-Focused Thinking, A Path to Creative Decisionmaking, Harvard University Press, 1996


Impuls: Studienprojekt "SozialRaum Oberfranken"

Professor Dr. Eberhardt Rothfuß, Universität Bayreuth

Grundlage des Wettbewerbes „Helden der Heimat“ und der Veranstaltungsreihe „Engagiert in Oberfranken“ ist die Studie der Universität Bayreuth unter Leitung von Prof. Rothfuß, in der der Sozialraum Oberfranken untersucht wurde. Unter Sozialraum ist demnach  ein gesellschaftlicher Raum und der darin enthaltene menschliche Handlungsrahmen zu verstehen. Die essentiellen Forschungsfragen der Studie befassen sich mit den Trends und aktuellen Situationen der Region. Dabei wurde durch Interviews sehr schnell deutlich, dass eine Herausforderung die Aufnahme von geflüchteten Menschen, die Abwanderung von jungen Menschen und die Vereinsamung von Senioren ist. Um zu sehen, welche Perspektiven es gibt, muss jeder Akteur die anderen Lebenswelten und die Experten der jeweiligen Arbeitswelt verstehen und dann kreative Lösungen finden.

Die in der Studie ermittelten Ergebnisse zeigen, dass sich junge Menschen aktiv in den kommunalen Angelegenheiten einbringen möchten. Auf dem Land sind die Menschen in den Möglichkeiten der Freizeitgestaltung eher eingeschränkt. Zum Beispiel in Bezug auf die Kinderbetreuung oder Pedlerwege. Der öffentliche Personennahverkehr rückt in den Hintergrund und die Politik steht vor der Herausforderung, den Rahmen für eine gute Sozialinfrastruktur zu schaffen. Dafür ist eine interkommunale Zusammenarbeit notwendig. Ein Lösungsanstatz ist, eine Art „Gemeindelabor“ ins Leben zu rufen, wo regional angepasste Innovationen entstehen. „Visionen müssen durch Begegnungen entwickelt werden“, so Rothfuß.

Literaturhinweise:

 

  • Richard Sennett: Together: The Rituals, Pleasures and Politics of Cooperation
  • Hartmut Rosa: Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung


Podiumsdiskussion: Mobilität und junge Menschen

Prof. Dr. Eberhardt Rothfuß: Professor an der Universität Bayreuth. Lehrstuhlinhaber für Sozial- und Bevölkerungsgeographie. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Stadtgeographie, Entwicklungsforschung, nachhaltige Regionalentwicklung, Verstehende Wissenschaftstheorie, Qualitative Sozialforschung.

Ralf Hoppe: Geschäftsführer der ContextPlan GmbH. Seitdem er im September 2001 zum ersten Mal für ContextPlan tätig wurde, hat er an einer Vielzahl von Projekten mitgewirkt. Z.B. für den Städtebaulichen Entwurf für das IG-Metall Quartier in Berlin-Kreuzberg, Nutzungsstrukturanalyse City-West, Konzept zur raumordnerischen Steuerung in Berlin-Brandenburg und JugendMobil. 

Tobias Sluka: Tobias Sluka hat von 2008 bis 2015 an der Universität Bayreuth Geoökologie studiert und engagiert sich seit 2008 ehrenamtlich beim Verkehrsclub Deutschland. Seit 2015 ist er stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands Bayreuth und seit 2016 im Vorstand des Landesverbands Bayern tätig. In seiner Studienzeit hat er selbst viele Erfahrungen mit dem Nahverkehrsangebot in der Region um Bayreuth gesammelt.

 

Start der Diskussion zum Thema Mobilität und junge Menschen war die Aussage, dass sich der Staat immer mehr aus ländlichen Räumen zurückzieht und die Regionen daher selber aktiv und kreativ werden müssen. Es müssen also Orte der Begegnung geschaffen werden, wo Themen wie Mobilität besprochen werden können. Der öffentliche Personennahverkehr kann auf dem Land nicht zu allen Zeiten alle Regionen abdecken. Das Mobilitätsangebot stößt also an Grenzen. Tobias Sluka erwähnte dabei, dass die Zuverlässigkeit von Busfahrern in ländlichen Räumen viel wichtiger ist, als in der Stadt.

Ralf Hoppe erläuterte das Projekt JugendMobil, welches er drei Jahre lang in Brandenburg betreute. Dabei verwies er auf die hohe Relevanz der Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Es muss eine Ebene gefunden werden, um Jugendliche anzusprechen und in einen Dialog mit ihnen zu kommen. Bei allen Mobilitätsprojekten für oder mit Jugendlichen muss der Erfolg schnell zu sehen sein. Auch hier wurde wieder einmal deutlich, wie wichtig die Vernetzung und auch die Zusammenarbeit der Kommunen ist. „Es wäre toll, wenn die einzelnen Kommunen einen Mobilitätsmanager einstellen würden. So könnten Probleme angegangen und gelöst werden“, so Hoppe. Prof. Rothfuß ging noch weiter und wies darauf hin, dass eine Art Mobilitätsmanager auch gleichermaßen ein Vernetzer und Kommunikator ist. Als Ausblick und Ende der Diskussion wurden noch Zukunftsmodelle wie das regionale Mitfahrsystem flinc oder selbstfahrende Autos angeführt.

Workshops


Mit Konflikten im (Schul-)Alltag umgehen

Dunja Müller: Übersetzungsbüro für Giraffensprache, Trainerin für Wertschätzende Kommunikation, Dipl. Betriebswirtin (FH), Heilpraxis für Psychotherapie (HPG)

Wie können wir den Schulalltag von Kindern gewaltfrei gestalten? Dafür mussten die TeilnehmerInnen zunächst selber einmal lernen, was aktives Zuhören bedeutet oder wie Ich-Botschaften gesendet werden. In dem Workshop der Kommunikationstrainerin Dunja Müller wurde den TeilnehmerInnen eine wertschätzende Kommunikation näher gebracht. Durch kreative Ansätze für eine Konfliktlösung. Dabei stellte Dunja Müller eingangs Fragen wie „Was brauchen wir für eine gute Kommunikation“?, „Wie können wir in Stresssituationen klar bleiben und sagen, was wir wirklich wollen?“ oder „Welche Wahlmöglichkeiten der eigenen Reaktion haben wir?“.

Dabei ist wichtig, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und anzusprechen, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen, Zuhören lernen oder Win-Win-Lösungen finden, anstatt Recht haben zu wollen. Dabei verwies Müller auf 5 Komponenten einer wertschätzenden Kommunikation:

 

  1. Beobachten: Was hat jemand getan oder gesagt?
  2. Denken: Wie fühle ich mich und was sind meine damit verbundenen Assoziationen?
  3. Fühlen: Wie geht es mir mit dem, was gesagt/getan wurde?
  4. Bedürfnisse/Wünsche: Was brauche ich jetzt und welche Optionen gibt es?
  5. Bitten: Was möchte ich den anderen fragen?

Diese fünf Punkte helfen, um zu erkennen was uns wirklich wichtig ist. Sie helfen, starke Gefühle anzuerkennen und die Verantwortung für eigene Anliegen selbst zu übernehmen und konkrete Schritte zu unternehmen. In Rollenspielen und Emotionsanalysen hat Müller den TeilnehmerInnen diese Punkte vermittelt.

Literaturhinweis:

 

  • Marshall Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation, Junfermann Verlag
  • Gottfried Orth + Hilfe Fritz: Gewaltfreie Kommunikation in der Schule, Junfermann

Zur Website von Dunja Müller


Appetit auf ein gesundes und glückliches Leben...

Karina Pfadenhauer: Bundeskoordinatorin Servicestelle Ernährung / Leiterin Vernetzungsstelle Kitaverpflegung Thüringen bei Symbioun e.V.

Torsten Tomaschek: Leiter Fachbereiche Familie & Kita bei Symbioun e.V.

Symbioun ist ein junger Verein mit einem qualifizierten Team aus haupt- und freiberuflichen Fachkräften verschiedener Professionen, das sich zum Ziel gesetzt hat, in den Lebenswelten Familie, Kita, Schule, Hochschule, Arbeitswelt, Gesundheitsversorgungseinrichtung sowie Kommune die Bedingungen für ein gesundheitsbewusstes Aufwachsen und für ein positives Lebensgefühl zu verbessern. 

Der Workshop begann mit einer Videobotschaft von Thomas Röhler. Am 21. August 2016 gelang ihm bei den Olympischen Spielen im legendären Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro der ganz große Wurf. Doch nicht nur auf sportlicher Ebene begeistert der sympathische Jenenser. Als Botschafter für Symbioun möchte der Leichtathlet des Jahres 2016 sich für eine gesunde Ernährung und viel Bewegung stark machen. Für das gemeinsame Programm mit Symbioun „Olympia ruft: Mach mit!“ ist Röhler auf Mission.

Appetit auf ein gesundes und glückliches Leben fängt aber in erster Linie in der Kita und bei den Kindern an. Das ist der Grund, weswegen Symbioun in 2.400 Kindergärten und Schulen tätig ist und die Aufmerksamkeit auf Ernährung schon im Kindesalter angehen möchte.

Die Eltern, Kinder und Erzieher identifizieren ein Problem und Symbioun geht lösungsorientiert darauf ein. Dabei wird auf multiprofessionelle, übergreifende Zusammenarbeit in Form einer Präventionskette gesetzt. Das Ziel ist, allen Kindern einen gesunden Alltag zu ermöglichen und die erforderlichen Bedingungen in gemeinsamer Verantwortung zu gestalten. Zu den Präventionsketten gehören demnach die Caterer, ErzieherInnen, Eltern und Kinder.

Ein weiteres Programm, welches Symbioun durchführt und von der Adalbert-Raps-Stiftung gefördert wird, heißt KULINARIX. Ein Programm, in dessen Rahmen die Adalbert-Raps-Stiftung künftig verschiedene Initiativen zur Verbesserung der Ernährungssituation unserer Kinder fördert. Ziel ist es, die Gesundheit der Kinder unserer Region langfristig zu stärken und so möglichen Zukunftsrisiken vorzubeugen.

Zur Website von Symbioun e.V.


Ein kindergerechtes Sport-, Spiel- und Spaßangebot

Sophia Wunderlich: Lehrkraft und Übungsleiterin an der Kindersportschule Hochfranken

Sophia Wunderlich von der Kindersportschule Hochfranken (KiSS) diskutierte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in ihrem Workshop, wie wichtig Sport für Kinder ist. Dabei ging es auch darum, welche pädagogischen Ansätze Jugendleiter, Sportlehrer und Erzieher nutzen können, um verschiedenste körperliche Betätigungen in die Übungen einzubinden. Ziel der Bayerischen Sportjugend ist, Sport, Spaß und Bewegung möglichst regional flächendeckend in Vereinen, Schulen, Kitas und Jugendzentren anzubieten. Um dieses Ziel zu erreichen, betonte Sophia Wunderlich die Relevanz von Kooperationen, die sie beispielhaft anhand des Angebotes BAERchen der Bayerischen Sportjugend (BSJ) praxisnah vorstellte.

Zur Website von KISS Hochfranken


Resümee

Wie der Ablauf und die Inhalte zeigen waren am 11. Februar 2017 praxisnahe Referentinnen und Referenten mit unterschiedlichstem Know-how vor Ort. Der Mix aus Vorträgen, Dialogrunden, Workshops und Projektvorstellungen hat den teilnehmenden Gästen ein fundiertes Wissen vermittelt.


Ausblick und Termine

Die zweite Fokusveranstaltung des Wettbewerbes „Helden der Heimat“ war zugleich unser Auftakt des Jahres 2017. Wir sind gespannt auf die Entwicklung der Projekte, die bei Helden der Heimat eingereicht werden. Wir freuen uns auf die dritte Fokusveranstaltung im März und die abschließende Preisverleihung des Wettbewerbes im Mai:

  • 3. Fokusveranstaltung: „Senioren im Wandel – dem Alter aktiv begegnen“ – zur Anmeldung                  
  • 31. März 2017: Letztmögliche Projekteinreichung Wettbewerb „Helden der Heimat“
  • 20. Mai 2017: Preisverleihung des Wettbewerbs "Helden der Heimat"

Unser Ziel ist es, den Sozialraum Oberfranken zu stärken und Projekte und Organisationen weiter zu fördern. Wir freuen uns über zahlreiche Teilnehmer an unseren kostenlosen Veranstaltungen.